Was jeder Pilger auf seiner Reise braucht
Um ein gutes Leben zu führen, braucht jeder einen Mentor. Wie viel mehr braucht dann ein Pilger, der sich nach dem Himmelreich sehnt, einen solchen?
Auch Christian hatte einen solchen Mentor – den Dolmetscher. Er war der Lehrer, der Christian auf seinem Weg zur himmlischen Stadt spirituelle Wahrheiten und tiefe Einsichten ins Herz schrieb.
Auf dem Weg des Glaubens begegnen wir unweigerlich Mentoren. Der Ausleger ist derjenige, der unser Leben im Licht der Heiligen Schrift liest und uns leitet, damit wir nicht vom Weg abkommen.
Abbildung 4–1: Der Dolmetscher, Christians spiritueller Mentor
Nachdem er die enge Pforte passiert hatte, war Christian endlich von der schweren Last befreit, die er einst auf seinem Rücken getragen hatte. Sein Körper fühlte sich leicht an, und in seiner Hand hielt er nun die Schriftrolle, die seine himmlische Staatsbürgerschaft symbolisierte.
Von Goodwill geführt, kam er zum Haus des Interpreten. An der Tür stehend, sprach Christian vorsichtig:
„Ich bin ein Pilger, der aus der Stadt der Zerstörung gekommen ist. Jemand, der dem Herrn dieses Hauses nahesteht, sagte mir, dass ich hier Dinge sehen würde, die für meine Reise von Nutzen sind.“
Bald öffnete der Dolmetscher die Tür. Christian verbeugte sich und sagte:
„Ich bin ein Reisender auf dem Weg zum Berg Zion. Ich bin gekommen, weil ich gehört habe, dass Sie mir Dinge zeigen würden, die mir auf meinem Weg helfen werden.“
Der Dolmetscher hieß ihn mit einem freundlichen Lächeln willkommen.
„Es war gut, dass du gekommen bist. Ich werde dir zeigen, was du wirklich brauchst.“
Der Dolmetscher befahl einem Diener:
„Zünde die Kerze an.“
Dann sagte er zu Christian:
„Nun folge mir.“
Dieser Moment war mehr als ein einfacher Besuch – es war die Enthüllung der Wahrheit im Licht des Wortes.
Das Haus des Dolmetschers ist die Kirche, der Ort der geistlichen Begleitung und genau der Ort, an dem unser Leben im Licht der Heiligen Schrift und des Heiligen Geistes verstanden wird.
Abbildung 4–2: Derjenige, der Wasser sprengt, und derjenige, der kehrt.
Der Dolmetscher führte Christian in einen abgenutzten und staubigen Raum. Als ein Diener den Boden mit einem Besen fegte, wirbelten Staubwolken durch die Luft, bis es unmöglich war zu atmen.
Dann kam eine Frau herein und spritzte Wasser über den Staub. Sofort legte er sich, und der Raum wurde sauber.
Der Dolmetscher erklärte:
„Dieser Raum steht für das menschliche Herz.
Der Staub ist unsere gefallene Natur;
der Besen ist das Gesetz;
das Wasser ist das Evangelium.
Das Gesetz deckt die Sünde auf, kann sie aber nicht reinigen.
Nur das Evangelium kann wie Wasser die Sünde überwinden und das Herz in einen heiligen Tempel verwandeln.“
·Bin ich sensibel für Sünde und mir ihres Staubes in meinem Herzen bewusst?
·Ohne das Gesetz wird das Evangelium zu billiger Gnade; ohne das Evangelium wird
das Gesetz zu Verzweiflung.
. Hält mein Glaube diese beiden Dinge im Gleichgewicht?
Der Dolmetscher führte Christian dann in einen anderen Raum, in dem zwei Jungen saßen. Ihre Namen waren Begierde und Geduld.
Begierde verlangte sofort seine Belohnung, während Geduld auf das Versprechen seines Vaters vertraute und wartete. Begierde erhielt bald seine schnelle Belohnung, freute sich kurz – und hatte am Ende nichts als Lumpen. Geduld hingegen erbte den Schatz, der Bestand hatte.
Abbildung 4–3: Die beiden Jungen, Begierde und Geduld
Der Dolmetscher sagte
„Desire steht für diejenigen, die nur nach dieser gegenwärtigen Welt streben.
Patience steht für diejenigen, die auf das Reich Gottes warten.
Die Freuden dieser Welt vergehen schnell,
aber Gottes Verheißungen sind ewig.“
Der Apostel Paulus sagte:
„Wir richten unseren Blick nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.
Denn das Sichtbare ist vergänglich,
das Unsichtbare aber ist ewig.“
—2. Korinther 4,18
· Strebe ich nach sofortiger Befriedigung oder warte ich auf die ewige Belohnung?
· Basieren meine Entscheidungen auf dem Jetzt oder auf dem Ewigen?
Der Dolmetscher führte Christian zu einem Kamin, in dem die Flammen loderten.
Ein Mann stand davor und warf Wasser auf das Feuer, um es zu löschen – aber die Flammen erloschen nicht.
Stattdessen loderten sie noch höher.
Christian fragte sich, wie so etwas möglich sein konnte, und folgte dem Dolmetscher hinter die Wand. Dort, vor den Blicken verborgen, goss ein anderer Mann leise Öl auf das Feuer.
Abbildung 4–4: Das Öl wird gegossen und das Wasser geworfen
Der Dolmetscher erklärte:
„Das Feuer ist Gottes Gnade.
Derjenige, der Wasser gießt, ist der Teufel.
Derjenige, der Öl gießt, ist Christus.
Der Teufel strebt danach, die Gnade zu ersticken,
aber der Herr spendet sie unaufhörlich –
deshalb erlischt die Flamme niemals.
Meditationspunkte
· Wie ist der Zustand der Flamme der Gnade, die in meinem Herzen brennt?
· Vertraue ich dem unsichtbaren Herrn, der mir ständig seine Gnade schenkt?
· Wer ist für mich der Interpret?
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— Das Zeugnis des Paulus in der Sprache des Traums —
An jenem Tag wurde ein Weg zur Umwälzung.
Ein Mann war unterwegs nach Damaskus.
In seinen Augen brannte Gerechtigkeit,
in seinem Auftrag lebten Gewissheit und Verurteilung.
Er war entschlossen, die Verkünder des Evangeliums zu fesseln
und sie nach Jerusalem zu bringen.
Der Weg war eben,
sein Herz furchtlos fixiert.
Er war überzeugt, Hüter der Wahrheit zu sein.
Diese Gewissheit war hart wie Stein.
Doch was erschien,
war nicht eine Veränderung der Landschaft,
sondern eine Explosion des Lichts.
Das Licht fiel nicht einfach vom Himmel.
Es brach aus seiner Seele hervor wie Feuer.
Es durchdrang das Wesen des Lebens
und erschütterte das Fundament aller Gewissheiten.
Der Mann stürzte zu Boden.
Sein Körper brach zusammen,
und seine Augen dienten ihm nicht mehr.
Nicht das Licht verbrannte seine Augen—
es verzehrte jede Täuschung,
auf die sein Sehen sich gestützt hatte.
Dann erklang eine Stimme:
„Saul, Saul …“
Es war kein Befehl der Macht,
sondern ein Ruf aus der Ewigkeit,
Wahrheit in hörbarer Gestalt.
Die Frage war schlicht:
„Warum verfolgst du mich?“
In diesem Moment entstand ein Riss.
Die Grenze zwischen Gewissheit und Zweifel brach auf.
Die Nahtstelle von Licht und Schatten wurde sichtbar.
Die Ziele, die Saul hatte ergreifen wollen,
verloren ihre Konturen.
Stattdessen öffnete sich ein anderes Sehen—
Gesichter über Gesichtern,
Zeichen eines tieferen Lebens.
Er erkannte,
dass die Leben, die er fesseln wollte,
in Wahrheit Träger des Lebens selbst waren.
Erst da zerbrach er wirklich
und erkannte,
dass er an seiner eigenen Gewissheit festgehalten hatte.
Als das Licht wich,
endete der Weg nicht.
Er begann.
Saul war nicht mehr
der Mensch, der er vor dem Namen Paulus gewesen war.
Er stand an der Schwelle eines neuen Namens,
im Zentrum einer Frage, die das Licht selbst gestellt hatte.
Sein Marsch nach Damaskus
war keine fehlgeleitete Kampagne der Gerechtigkeit mehr.
Er wurde zur Heimkehr zum Leben,
zu einem Schritt als Antwort auf eine Berufung an sein eigenes Wesen.
Das Licht, das ihn einst blendete,
offenbarte schließlich
seinen Ort
und seine Berufung in ganzer Klarheit.
Und sein Name
wurde neu eingeschrieben
in den Lauf der Geschichte.
Abb. 4–5: Der Apostel Paulus, geblendet auf dem Weg nach Damaskus
„Dies war nicht nur ein historischer Moment,
sondern das Ereignis, in dem ein Ausleger in mein Leben trat.“
So wie Christian einen Dolmetscher hatte, so hatte auch ich einen Dolmetscher in meinem Leben: den Apostel Paulus.
Er war einst ein Mann, der die Kirche verfolgte, aber auf dem Weg nach Damaskus begegnete er dem auferstandenen Herrn – und sein Leben wurde völlig auf den Kopf gestellt.
Von diesem Tag an wurde er zu einem der größten Ausleger des christlichen Glaubens.
Abbildung 4–5: Paulus wurde auf dem Weg nach Damaskus blind
Paulus verkündete die erstaunliche Wahrheit, dass durch den Ungehorsam eines einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam, durch den Gehorsam eines einzigen Menschen aber das Leben (Römer 5,18– 19).
Die Gnade ist größer als die Sünde und verschlingt sogar den Tod selbst.
Jedes Mal, wenn ich seine Briefe lese, empfinde ich sie als neu.
Insbesondere der Römerbrief ist zu einem Kompass geworden, der mein spirituelles Leben leitet.
Eugene Peterson hat einmal gesagt, dass der Brief des Paulus an die Römer weit mehr Einfluss ausgeübt hat als die gesamte Philosophie und Literatur des Römischen Reiches zusammen.
Diese Aussage ist keine Übertreibung.
Paulus ist nicht der einzige Interpret meines Glaubens.
Ich liebe auch Simon Petrus.
Obwohl er nur wenig formale Bildung hatte, berief ihn der Herr zu einer Säule der Kirche.
Er hinterließ nur zwei Briefe – 1 und 2 Petrus –, doch in ihnen liegt eine unerschütterliche Gewissheit über das ewige Reich.
Gott wählt beide Arten von Menschen aus:
solche wie Paulus, mit unvergleichlicher Brillanz und Herkunft,
und solche wie Petrus – einfach, gewöhnlich, schmucklos.
Petrus war ein Fischer, ein Mann, der keine großen literarischen Werke hinterlassen hat.
Dennoch berief Gott ihn, formte ihn und vertraute ihm eine Aufgabe an, die weit über seine Fähigkeiten hinausging.
Der Herr wählt nicht nach Verdiensten, sondern nach Gnade.
Mein Wunsch ist es, dass meine Schriften in gewisser Weise den Schriften von Paulus und Petrus ähneln mögen –
ein Licht, das jemanden auf dem Weg des Glaubens leitet.
So wie Christian im Haus des Dolmetschers Verständnis erlangte,
so bete ich, dass meine Worte und Bilder zu einer Lampe werden mögen,
die das Leben eines Menschen im Licht der Wahrheit Gottes interpretiert.