14. Kleiner Glaube

by 박시룡

Schwacher Glaube, doch ein unauslöschliches Licht


Die Schwelle des Glaubens

Der Glaube ist unsichtbar.
Er kann nicht einfach dadurch erlangt werden, dass man beschließt: „Ich muss glauben.“

Der Glaube ist wie eine stille Anhäufung von Gnade und Wahrheit,
bis er eines Tages eine von Gott gesetzte Schwelle überschreitet –
und erst dann wird er zu einem wirklich aktiven Glauben.

Ich erinnerte mich an ein Chemieexperiment aus meiner Schulzeit.
In einem durchsichtigen Reagenzglas befand sich eine gelbe Lösung,
und ich tropfte einen gelben Tropfen nach dem anderen hinein.
Ein Tropfen, zwei Tropfen ... bis zum fünften Tropfen trat keine Veränderung ein.
Aber beim sechsten Tropfen färbte sich die Lösung plötzlich rot.

Mit dem Glauben verhält es sich genauso.
Zunächst scheint sich nichts zu ändern.
Doch in dem Moment, in dem wir die von Gott bestimmte Schwelle der Gnade überschreiten,
verwandelt sich unsere innere Farbe:
Angst wird zu Frieden, Zweifel wird zu Gewissheit.


Kleiner Glaube in Pilgrim's Progress

Ein flackerndes Licht, das niemals erlischt

John Bunyan platzierte eine Figur namens Little Faith auf dem Pilgerweg.
Er stammte aus dem Dorf Ehrlichkeit und war eine reine und aufrichtige Seele.
Doch seine Pilgerreise kam an einem stillen Bach zum Stillstand.

Er ruhte nur seine Augen aus und wurde dadurch verwundbar –
und drei Räuber griffen ihn an.

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Abbildung 14–1: Drei Raufbolde überfallen Little Faith – Feigheit, Unglaube und Verbrechen.


Sie schlugen ihn und stahlen seine Geldbörse,
und bedrohten sogar sein Leben.
Little Faith fiel hilflos zu Boden,
sein Gesicht von Angst gezeichnet.

Doch kein Räuber konnte ihm das Kostbarste rauben, was er besaß –
den Schatz des Himmels: die Gewissheit der Erlösung.

Hope fragte:
„Er hatte solche Angst – wie konnte er diesen Schatz beschützen?“
Christian antwortete leise
„Nicht aus eigener Kraft.
Es war Gottes Vorsehung, die ihn festhielt.“


Der Glaube des Kleingläubigen

Kleiner Glaube ist zerbrechlich.
Er schwankt vor Versuchungen,
und strauchelt vor Prüfungen.

Doch nie verlor er das Wesentliche der Erlösung aus den Augen.

Ich dachte an ein frommes Mitglied unserer Kirche:
einer Person, die seit vielen Jahren an der Wahrheit festhält.
Doch in politischen Debatten gerieten seine Emotionen außer Kontrolle:

„Diese Regierung kontrolliert die Medien!
Das ist schlimmer als die alten Militärdiktaturen!“

Seine Wut war verständlich.
Aber in diesem Moment wurde mir klar:
Der Teufel dringt durch die Lücken der Wut ein.
Selbst kleine Risse können die Freude und den Frieden des Glaubens rauben.


Die „kleinen Glaubensbekenntnisse“ in uns

Heute stehen viele Gläubige an der Stelle des kleinen Glaubens.
Weltliche Räuber –
Unglaube, Gier, Angst –
dringen in unsere Herzen ein
und stehlen die Schätze der Freude, des Friedens und der Gnade.

Doch es ist keine Schande, wenig Glauben zu haben.
Selbst die Jünger Jesu hatten wenig Glauben.

Thomas zum Beispiel:
Er konnte nicht glauben, bis er den auferstandenen Herrn sah.

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Abbildung 14–2: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“


„Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt?
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20,29)

Auch Petrus ging auf dem Wasser, begann aber zu sinken, als er den Wind sah.
„Herr, rette mich!“, rief er.

Jesus streckte sofort die Hand aus und fing ihn auf.
„Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14,31)

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Abbildung 14–3: Jesus erscheint dem zweifelnden Thomas.


Die Zurechtweisung Jesu war keine Verurteilung.
Es war ein liebevoller Aufruf, die Schwankenden aufzurichten.

Der Glaube mag klein sein.
Er mag schwanken.
Aber was am wichtigsten ist:
die Hand Gottes, die diesen kleinen Glauben hält, lässt uns niemals los.


Nikodemus und das nächtliche Gespräch

Eine weitere Figur war Nikodemus.
Ein wohlhabender und angesehener Pharisäer,
fürchtete er sich, offen an Jesus zu glauben,
und kam deshalb heimlich bei Nacht zu ihm.

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Abbildung 14–4: Nikodemus sucht Jesus.


„Rabbi, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist.“
In diesem Bekenntnis lag ein schwacher Funke des Glaubens.

Jesus sagte zu ihm:
„Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Nikodemus war intelligent,
aber sein Glaube war noch schwach.

Doch diese winzige Glut
flammte Jahre später leise auf,
in seinen Händen, als er bei der Beerdigung Jesu die Gewürze trug.


Glaube aus der Sicht eines Wissenschaftlers

Viele Jahre lang lebte ich als Wissenschaftler.
Im Labor beobachtete ich die Anordnung von Zellen unter dem Mikroskop;
durch Teleskope beobachtete ich die Ordnung des Kosmos.

Und an der Wurzel dieser Ordnung
war immer das Licht des Wortes.

Ein Physiker, den ich traf, sagte:
„Die Hälfte aller Nobelpreisträger glaubt an Gott.“

Diese Aussage hat mich tief bewegt.
Selbst Wissenschaftler, die an der Spitze der Vernunft stehen,
verstummen vor dem Geheimnis der Schöpfung.

Karl von Weizsäcker,
der sich mit der Kernfusion von Sternen befasste, gestand:
„In den Gesetzen, die das Universum regieren,
sehe ich die Fingerabdrücke Gottes.“

Glaube ist nicht das Gegenteil von Wissenschaft.
Er ist der Beginn der Demut,
in der man die „unsichtbare Hand“ erkennt.


Ewigkeit in einem Augenblick

Am Anfang strahlte Licht aus Gottes Fingerspitzen.
Über 13,8 Milliarden Jahre hinweg hat seine Liebe nie nachgelassen.

Ein entfernter Stern, der Morgenstern Earendel,
der 12,9 Milliarden Lichtjahre zurückgelegt hat,
leuchtet heute vor unseren Augen – ein Wunder, geformt von der Zeit,
eine flüchtige Geschichte, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegte.

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Abbildung 14–5: Der Pilger blickt auf den Morgenstern (Earendel), der vor 12,9 Milliarden Jahren entstanden ist.


Wenn die Zeitachse des Universums auf ein einziges Jahr komprimiert würde:

"Am 1. Januar um Mitternacht tanzt der Urknall."

"Anfang September wird der blaue Planet Erde geboren."

"Mitte September berührt der erste Atemzug des Lebens das Land."

"Zwei Stunden vor Mitternacht treten die Vorfahren der Menschheit aus der Dunkelheit hervor."

"Dreiundzwanzig Sekunden zuvor sät ein Bauer Samen."

"Kurz vor Mitternacht am 31. Dezember kommt Gott in menschlicher Gestalt auf diese Erde."

Durch diesen langen Faden der Zeit hindurch

dauert seine Liebe bis heute an.

Der Atem des Heiligen Geistes,
ob vor 13,8 Milliarden Jahren oder heute,
resoniert mit dem gleichen Puls der Liebe.

Er ist das Alpha und das Omega,
der Anfang und das Ende.

Auf der Leinwand des Universums ist meine Existenz nur Staub,
doch in Seiner Hand sind wir mit unendlichem Licht verbunden.

„Fürchtet euch nicht, ihr kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lukas 12:32)

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